Serbische Positionen zur Abspaltung des Kosovo
Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, ein spät umgesetztes Ziel der kosovoalabanischen UCK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës) der Befreiungsarmee des Kosovo mit ihrer 1999er-Luftwaffe NATO, tauchen "die Serben" wieder mit negativen Schlagzeilen auf. Sie organisieren auch in Deutschland - wer hätte das gedacht - "proserbische" Demonstrationen! Während Fahnen schwenkende, mit Autokorsos feiernde Kosovo- und andere AlbanerInnen an den Partyotismus während der Fußballweltmeisterschaft erinnern, erscheinen in Fahnen gehüllte SerbInnen als "ethnonationalistisch", wahnsinnig altbacken, borniert und ziemlich humorlos, aggressiv. Sie erinnern an den einzigen "Schlächter des Balkan", dessen Namen man je gelernt hat, und beleidigen den Weltmeister der Gedenkstätten und Mahnmale mit ihrer Unfähigkeit, aus den eigenen Verbrechen zu lernen. Je linker, so scheint es, umso besser weiß man Bescheid über den Mythos Kosovo, über die deutschen Wurzeln des daher sowieso peinlichen romantischen und essenzialisierenden - eigentlich dann ja auch faschistischen - Nationalismus der Serben, über die Verköperlichung von Männlichkeit und Nation bei serbischen "Hooligans" mit ihren Tschetnikmützen. Eine Ausnahme bilden dabei deutsch-nationale Linke, die in Serbien einen Bündnisparter zur Stärkung Europas gegen die USA sehen - als wäre es nicht insbesondere deutsche Hegemonialpolitik, die die Nationalismen im ehemaligen Jugoslawien so gestärkt hat, dass diese den einzigen Staat zerstören konnten, der in Südosteuropa jemals der deutschen Souveränität Schranken setzen konnte. Die in Deutschland und Österreich demonstrierenden Serbinnen und Serben können hier nur wahrgenommen werden aus der quasi kolonialen Perspektive der Bevölkerung einer Großmacht, die gleichweitwegvonjedemNationalismus auf die archaischen Tribalismen zweier noch nicht ganz mordernisierter Völker herabblickt. Wie aber blicken die Demonstrierenden auf die Bevölkerung hier? Wie verstehen sie sich selbst? Welche Handlungsoptionen haben sie, ehemalige GastarbeiterInnen, Flüchtlinge, deren Nachkommen in diesem Land? Seit 2006 existiert der "Zentralrat der Serben in Deutschland", der sich als Selbstorganisation von EinwanderInnen im multikulturellen Deutschland versteht, eine der Organisationen, die die Kundgebungen gegen die Unabhängigkeit einer Republik Kosova mitorganisiert.
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