Lorettas Leselampe

14.09.2008 - 17:00
14.09.2008 - 20:00
Kurzbeschreibung: 
Unter der Leselampe liegen Im September wie immer bunte und ungewöhnliche Fundstücke aus Literatur, Film und Reportage, zur RAF und zur Biopolitik. Wir rezensieren z. B. den Roman »Der Große Schwarze Akt«, der pünktlich zur Sendung am 8. September im Weidle Verlag erscheint: »Der Grabstein war umgefallen.« Das ist die unerhörte Begebenheit, mit der sich Paula konfrontiert sieht. Es ist nämlich nicht irgendein Grabstein, sondern der ihrer Mutter. Also setzt sie sich darauf und bleibt nicht lange allein, ein merkwürdiger Fremder erscheint und bietet ihr ein Pfefferminzbonbon an: Er ist Pfefferminzbonbonvertreter. Ihm erzählt sie Geschichten aus ihrem Leben und von ihrer Mutter, die wahr oder gelogen sind. Oder beides. Fast täglich trifft sie ihn auf dem Friedhof, und täglich arbeitet sie an der Übersetzung eines englischen Schauerromans über Spinnen, der sich in ihrem Leben breitmacht, ebenso wie Gestalten aus ihrer Vergangenheit. Einem Spinnennetz gleich legen sich Erinnerungen, eigene und fremde Geschichten über sie. Der Verlag kommentiert: ein spannender, entspannt-komischer Roman über die Fallstricke jeder Biographie – und über die Chance, sämtliche möglich gewesene Biographien schließlich doch in einer einzigen zu vereinen. Außerdem stellen wir die Studie »Fräulein und GIs« der Filmwissenschaftlerin Annette Brauerhoch vor (Stroemfeld, 2006). »Selten«, so behauptet Annette Brauerhoch, »war eine private Beziehung so öffentlich und politisch wie die zwischen Besatzungssoldaten und deutschen Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg. Fragen nationaler Identität, sozialer Ordnungen und moralischer Wertesysteme standen zur Disposition und fanden in ihrer Sexualisierung gleichzeitig eine schützende Verschiebung. In diesem Geschlechterverhältnis kollidieren Staatsformen und Ideologien. Es geht auch um eine kulturelle Konfrontation: Fragen nach nationalspezifischen Ausprägungen und Rollen von »Weiblichkeit« und »Männlichkeit« sind ebenso involviert wie die Konstruktion des Verhältnisses von Rasse, Geschlecht und Nation.« Die Kritik der Biopolitik hat in den letzten Jahren an Profilierung gewonnen. Ausgehend von Michel Foucaults Untersuchungen in den siebziger Jahren, die er in Vorlesungen vorgestellt und nun auf deutsch veröffentlicht sind, gibt Thomas Lemke in seiner Einführung einen Überblick, der unter der Lampe Licht gelesen wird. Nach den zahllosen Veranstaltungen und publizistischen Sturzbächen zur RAF und zum »Deutschen Herbst« im letzten Jahr, steht nun die Ernte der Sammelbände an. Wir werfen das kühl-analytische Licht der Leselampe auf einen, den Inge Stephan und Alexandra Tacke unter dem Titel »NachBilder der RAF« im Böhlau-Verlag herausgegeben haben. Da wir wissen, dass beim Lesen Genuss ohne Ertrag nie und Genuss ohne Reue selten vorkommt, stellen wir die Reportagen, Interviews, Prosastücke und Reisebilder von Truman Capote vor, die unter dem Titel »Die Hunde bellen« jetzt in Zürich bei Kein&Aber erschienen sind.